Helgoland im April

Ja, ausgerechnet in der unbeständigsten Jahreszeit machte sich eine Gruppe mutiger Fotografen auf den Weg nach Helgoland. Mutig deswegen, weil tags zuvor stürmisches Wetter war und auch noch beim Einschiffen in Cuxhaven deutliche Schaumkronen auf den Wellen lagen. Das deutete auf Windstärke 6 bis 7 und führte zur kollektiven Einnahme von Tabletten gegen Seekrankheit.
Sie wirken am besten, wenn man sie eine halbe Stunde vor dem Kommando „Leinen los“ einnimmt, versicherte uns eine Expertin unserer Gruppe. Trotzdem lagen die entsprechenden Tüten stets griffbereit, wurden aber von niemandem benötigt!
Zur allgemeinen Erleichterung legte das Seebäderschiff Atlantis direkt im Hafen an, die schaukelige Angelegenheit des Ausbootens auf hoher See entfiel somit.
Aber die Koffer mussten eigenhändig ins Hotel gerollt werden und danach gab es dann zur Belohnung eine Portion Labskaus.
(Labskaus= Mix aus Kartoffelbrei, Corned Beef und rote rote Beete. Zugegeben, schon aufgrund der Optik ist das nicht jedermanns Sache.)
Was stellt man nun eigentlich 3 oder 4 Tage auf Helgoland an?
Neben dem Fotografieren natürlich erst einmal zollfrei einkaufen!
Ein warmer Schal, Edelklamotten, Sonnenbrille, ein Jahrsvorrat an diversen Parfüms, Mitbringsel für die Daheimgebliebenen sowie leckere Schokolade und Likör wanderte in unser Gepäck.
Das Highlight eines jeden Aufenthalts auf der Insel ist wohl ein Besuch der benachbarten Badeinsel, schlicht Düne genannt.
Diese Düne ist schnell mittels einer kleinen Fähre zu erreichen und lässt das Herz jedes Hobbyknipsers höher schlagen.
Große Kolonien von Kegelrobben gibt es dort zu sehen und was das Schönste ist, 29 Robbenbabys, gerade mal 3 Monate alt, waren auch dabei!
Bei angenehmen Temperaturen und strahlend blauem Himmel haben wir es genossen Muscheln zu schubsen, Hühnermörder zu sammeln, Steinmännchen zu bauen und Cappuccino zu trinken.
Es ist ein absolutes Muss, den Vogelfelsen auf der Hauptinsel zu besuchen. Der liegt auf dem Oberland und ist am bequemsten mit dem Fahrstuhl zu erreichen.
(Vom Fahrstuhlführer wird man je nach Geschlecht mit Baiserhäubchen oder Heringsschwänzchen begrüßt.)
Am Felsen trifft man dann oft auf Leute die aussehen, als wollten sie ins Manöver ziehen. Es sind finster dreinblickende Ornithologen in Tarnkleidung. Sie haben schweres Geschütz ab Brennweite 1000 mm aufgebaut und wissen es gar nicht zu schätzen, wenn man sich einfach davor stellt.:-)
Aber auch im Ort selbst gab einiges zu sehen. Die Fischer in den Hummerbuden hatten jetzt im April noch richtig Zeit für uns Touristen und weihten uns in die Geheimnisse der Knieperzubereitung ein, standen mehr oder weniger geduldig Modell und spannen fleißig Seemannsgarn.
Es war ein erlebnisreiches verlängertes Wochenende für uns mit vielen Fotomotiven und auch die Rückfahrt bei spiegelglatter See war sehr harmonisch, wenn man einmal davon absieht, dass ein Objektiv von der Bordwand auf die Kaimauer fiel, aber trotzdem überraschender Weise unbeschädigt blieb, was für die Qualität des Herstellers spricht.

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 Ein Bericht von Horst Schütze